Unas Twi'lek-Lekku aus Schaumstoff

Mitte Juli lag ich nachts unter der finnischen Mitternachtssonne im Liegestuhl, trank lecker Lonkero und dachte spontan “Jo, Una. Du könntest eigentlich mal wieder etwas Kostümkram machen. Schnapp dir doch mal deine Cantina-Klamotte und gib dem ganzen einen deutlicheren Star Wars-Touch. Wie wäre es mit Twi’lek-Lekku!?”

…gesagt, getan, gebaut!

Am Wochenende war nun in Speyer Tragepremiere und ich bin überrascht, wie bequem und tragbar das Ganze letztendlich ist. Und für ein “Spaßprojekt”, das ich rein zum Versuchen umgesetzt habe und das auch gar nicht mal sooo teuer war, bin ich zufrieden mit dem Ergebnis und es wirkt im Gesamtkonzept mit der Klamotte stimmig - Ziel erreicht, Una glücklich.

Nachdem ich von einigen von euch am Wochenende angesprochen wurde, wie und aus was ich die Lekku zusammengeklöppelt habe, gibt es daher einen kleinen Einblick.

Verwendetes Material:

Schnittmuster: https://www.etsy.com/de/listing/1725178555/lekku-pdf-fur-twilek-cosplay-druckbare
5 mm Schaumstoff: Schaumstoff Meterware 5mm dick ich hab 2 m bestellt, das Ganze insgesamt zweimal ausgeschnitten und verklebt, weil Versuch #1 daneben ging und hatte trotzdem noch mind. 50 cm übrig
Füllwatte: Polsterwatte| 100 g & 160cm breit | Schnell geliefert!
hier haben 100 cm knapp ausgereicht, beim nächsten Mal bestelle ich eher 150 cm
Kunstleder fürs Kopfband: Polsterstoff Kunstleder Skai Dunkelbraun Meliert 1 m bestellt und hat für 2 Kopfbänder locker ausgereicht
Flüssiglatex: Creativ-Latex-Flüssiglatex-Latexmilch-Lilatex-Künstlerlatex - Lilatex
Ich habe hier ziemlich genau einen Liter verbraucht, verwendeter Farbton “Haut”
2 Tuben Patex Classic
5 m x 1,5 cm Kunstlederstreifen

Zusammengerechnet liegen wir beim Material ca. bei 65 Euro

1 - Die ersten Schritte! Schnittmuster auf Papier ausdrucken (Skalierung beachten und Schnittmarken!), auf den Schaumstoff übertragen, mit einer wirklich scharfen Schere ausschneiden und an den jeweiligen Kanten nach und nach zusammenkleben. Tipp: beide Seiten einstreichen, kurz warten, dann zusammendrücken und halten, bis ihr merkt, das der Kleber greift. Wichtig: Handschuhe anziehen! Alles am besten dann eine Nacht durchtrocknen lassen.

2 - Zwischenstand! So sollte das Ganze dann aussehen. Zeit für den ersten Test-Fit. Links seht ihr, das ich den Kopfbereich unten noch etwas offen gelassen habe … da ich eine Menge Haare unterzubringen habe, hatte ich für Testanproben noch etwas Platz gelassen, um die Gefahr des Reißens zu verringern, denn der Schaumstoff selbst ist nicht sonderlich stabil - also vorsichtig damit umgehen. Ist natürlich trotzdem einmal eingerissen bei meiner Riesenmurmel… ja mei. Das Schnittmuster selbst gibt euch zwei mögliche Kopfgrößen vor, ich bin mit der “großen” Variante bei ca. 60 cm am besten hingekommen.

3 - Ausstopfen! In die Lekku-Spitzen gebt ihr etwas rohen Reis, am besten in einem kleinen Tütchen, dann habt ihr keine Sauerei, falls doch beim Füllen etwas aufreißt. Ohne “Gewicht” geht es übrigens nicht, sonst stehen die Lekku einfach nur ab bzw. hängen schlapp wie zwei Anhängsel anstatt beim Gehen ein bisschen zu schwingen und “natürlich” zu wirken. Ausgestopft wird mit Polsterwatte und das sehr vorsichtig und stückenweise, sonst reißt der Schaumstoff ein.
Zum am Kopf befestigen eignet sich übrigens ein Perückenband mit Klettverschluß im Nacken ziemlich gut (das ist das beigefarbene Teil rechts).

4 - Flüssiglatex! Ich habe die dickflüssige Variante im Farbton “Haut” verwendet. Ihr benötigt ca. 3 - 4 Schichten, bis sich auf dem Schaumstoff eine erste undurchlässige Schicht bildet, vorher suppt das erstmal nur durch.

Der Schaumstoff-Unterbau ist auf einem Perückenkopf festgesteckt, den ich vorher mit Pergamentpapier (Butterbrotpapier) abgedeckt habe - so versaut ihr euch den Kopf nicht, solange das Latex noch durch den Schaumstoff suppt und könnt das Papier dann nach dem Runternehmen vom Kopf einfach abziehen. Nehmt die Lekku nach den ersten Schichten, also sobald ihr eine undurchlässige Schicht aufgebaut habt, auch unbedingt mal ab, wenn die äußere Schicht trocken ist - der Schaumstoff von innen braucht nämlich deutlich länger zum trocknen und sollte dann mindestens eine Nacht durchtrocknen. Links auf dem Probestück seht ihr, wie es Anfangs ausschaut, bis sich die erste undurchlässige Schicht bildet.

Tipp: Da das Ganze natürlich nicht sehr stehfest ist und die Lekku zum bearbeiten frei hängen müssen, befestigt den Kopf auf irgendetwas schwerem - hab ihn nach den ersten Schichten kurzerhand mit vieeeel Klebeband an einer Hantelscheibe festgeklebt.

Bei mir ergab sich beim Latex eine ziemlich unebene Struktur, da ich die ersten Schichten mit einem Pinsel aufgetragen habe … und das hat mich zwischendrin ziemlich zur Verzweiflung gebracht, da alles grob und quer und schief und voller Streich-Spuren war. Der heiße Tipp: Wieder Schaumstoff! Und zwar in Form von Make-Up-Schwämmchen oder kleinen Schaumstoffrollen für Farbe. Die haben in den letzten Schichten noch einmal viel von der groben Struktur der unteren Schichten weggenommen und den Gesamteindruck etwas “geglättet”. Auf den Bildern seht ihr, was ich mit der groben Struktur meine - nehmt also niemals Pinsel, das war keine gute Idee. Arbeitet außerdem in dünnen Schichten - viel hilft hier nicht viel - und wartet nach jeder Schicht, bis diese komplett trocken ist, sonst gibt es “Krümel” und “Pickel”. Wie man sieht, hab ich das auch erst beim Ausprobieren gelernt, als es dann schon zu spät war…

Letztenendes habe ich um die 20 - 25 Schichten aufgetragen … hab nicht genau mitgezählt. Eine gewisse Struktur ist trotzdem erhalten geblieben, da muss ich dann beim zweiten Paar Lekku ein bisschen besser von Anfang an arbeiten - jetzt weiß ich ja, wie es geht :smiley:

Superwichtig: Alle Fenster bzw. Balkontür auf beim Arbeiten mit Latex oder der Ammoniakgeruch vermüffelt euch die ganze Wohnung und haut euch aus den Latschen! Am besten macht man das gleich irgendwo draußen, gute Belüftung ist jedenfalls unerlässlich.
Und: Latex geht aus Stoff NICHT mehr raus - zieht alte Sachen an und deckt alles ab, was empfindlich ist. Von glatten Oberflächen wie Fußboden oä. lässt sich Latex nach dem Trocknen aber spurenlos wegrubbeln.

5 - Kopfband und Ohren! Das Kunstleder habe ich gezwungenermaßen mitbestellt, weil der Shop für den Schaumstoff einen Mindestbestellwert hatte :sweat_smile: aber es war günstig und, wie gesagt, für den ersten Versuch hat es absolut getaugt. Das Schnittmuster für das Kopfband habe ich online gefunden bzw. hat mir Stalker einen guten Tipp dafür gegeben. Werde aber trotzdem noch eine Echtleder-Variante anfertigen, habe zu arg geschwitzt unter dem Kunstleder.

Die Ohren bestehen ebenfalls aus Schaumstoff und sind einfach zwei Pacman-förmige Schaumstoffkreise, die an den Schrägkanten zusammengeklebt und mit Latex überzogen werden. Ich habe sie dann ins Kopfband eingenäht. Die Zierknöpfe hatte ich noch zuhause. (Und jepp, ich muss mehr von Hand nähen üben … einige Stiche sind richtig krumm und schief geworden…)

6 - Endspurt! Die Enden der Lekku haben zwei kleine Käppchen aus demselben Kunstleder bekommen, da mir die Lekku-Enden ein bisschen schief geraten sind. Als weiteres Zierelement wurden dann schließlich noch Kunstlederstreifen um die Lekku gewickelt und an einigen Stellen festgenäht (kleben funktioniert nicht so gut). Hier nicht zu sehen habe ich dann als letzten schmückenden Hingucker noch unter dem rechten Ohr am Kopfband einen goldfarbenen Hängeohrring mit türkisen Schmucksteinen angebracht.

Gesamtarbeitszeit ca. 2 Wochen Ende August/Anfang September, da gerade die ersten Latexschichten etwas länger zum trocknen benötigten (wobei hier das warme Septemberwetter gut war). Ansonsten: hat das Basteln erstaunlich viel Spaß gemacht! Mein erster Versuch mit Flüssiglatex, ich habe learning by doing einiges gelernt und werde im Frühjahr Lekku & Twi’lek-Outfit #2 in Angriff nehmen - auf ein Neues!*

(*aber erstmal nehme ich mal die nächsten zehn Kilo ab, sonst näh ich wieder alles zweimal bzw. kurz vor der Con nochmal enger - Stress, den man sich einfach ersparen sollte! XD)

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